Baufachzeitung

26.07.2017

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Im Frühjahr wurde Europas größtes hundertprozentiges Passivbürogebäude in Brüssel eingeweiht. Es steht auf einem Tour & Taxis genannten Gelände – einem umfangreichen Stadterneuerungsprojekt, das am Kai des Binnenhafens liegt. Das markante Design des vom niederländischen Architekturstudio Cepezed entworfenen neuen Gebäudes der Umweltbehörde ist bereits jetzt eine Ikone. Aufgrund seines gewölbten dunklen Dachs erhielt es den Spitznamen »der Toaster«. Die Architekten haben hier die neuesten Energieeffizienz-Technologien modellhaft angewandt.

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Die Büroräume sind um ein zentrales Atrium herum angeordnet. Es erstreckt sich über sieben Stockwerke unter einem gewölbten, transparenten Dach, das für konstante natürliche Beleuchtung sorgt. Während die Aluminiumaußenverkleidung schwarz ist, um die Sonneneinstrahlung zu absorbieren, beeindruckt den Besucher beim Betreten des Gebäudes durch den Haupteingang die helle, luftige und weiträumige Atmosphäre des Hauptatriums, das wie ein riesiges Gewächshaus wirkt. Die tragende Metallstruktur ist weiß gestrichen; die verschiedenen oberen Etagen erreicht man über gestaffelt angeordnete Betonböden. Das zentrale Atrium ist nicht nur aus architektonischer Sicht spektakulär: Es reflektiert auch den offenen Platz im Außenbereich und gewinnt und speichert Wärme, die weitergenutzt wird. Das dreifach verglaste Dach stellt ein hohes Maß an Isolierung sicher, und das automatische Jalousiesystem schirmt im Sommer das Atrium vor übermäßigem Sonnenlicht ab.

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Auf rund 900 Quadratmeter über die verschiedenen Etagen erstrecken sich Holzblenden aus amerikanischer Kirsche (AHEC), entworfen von der Architektin Nathalie Daele. Die satten, warmen Farben des Kirschbaumholzes kontrastieren wirkungsvoll mit der schlichten weißen und hellgrauen Farbgebung der Betonböden und Decken. Mit den Holzblenden wird dem Gebäude ein natürliches Element hinzugefügt, das die unterschiedlichen Ebenen wie ein roter Faden verbindet.

Im ersten Stock liegt das Umweltinformationszentrum neben dem ebenfalls im ersten Stock befindlichen Restaurant. Hier erhalten Besucher, Schülergruppen und NGOs praktische Informationen über Umweltthemen und Beratung aus erster Hand durch das Beraterteam der Umweltbehörde. Die aus Lamellen gefertigten Holzblenden aus amerikanischer Kirsche erstrecken sich über nahezu die gesamte Breite des Besucherzentrums. Die fast drei Meter hohen, mit Kirschbaum furnierten Lamellen wurden auf den Kanten vertikal auf einem massiven Holzsockel befestigt. Einige Lamellen erhielten einen farbigen Anstrich in Übereinstimmung mit dem das gesamte Gebäude durchziehenden Farbschema. Jede Farbe repräsentiert eines der umweltwissenschaftlichen Themen, mit denen die Behörde befasst ist.

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Europas größtes Passivbürogebäude steht in Brüssel

Die Architekten nutzten die unterschiedlichen Geschossgrundrisse geschickt, um hohe, offene Lamellentrennwände mit niedrigeren, massiven Holzblenden zu kombinieren. Erstere lassen das natürliche Tageslicht aus dem zentralen Atrium in das Gebäude eindringen, die massiven Blenden verbergen funktionale Elemente – z.B. Nischen für Garderoben und Kopiergeräte – bzw. sorgen einfach für mehr Privatsphäre in Meeting-Bereichen.

Massive Holzblenden wechseln sich mit Lattentrennwänden ab und verleihen so jedem Raum eine eigene Identität. Die Blenden wurden aus 18 mm dickem Kirschbaumholz gefertigt, das horizontal in schönen Nut-Feder-Verbindungen in Breiten zwischen 90 mm und 180 mm verarbeitet wurde. Vor der Montage wurden die Lamellen mit einem Lack auf Wasserbasis behandelt, um die Maserungen und die unterschiedlichen Farbtöne des Holzes zur Geltung zu bringen.

Auftraggeber: Brussels Environment Agency
Architekten: architectenbureau cepezed
Architekten vor Ort: Philippe Samyn and Partners
Technische Baukontrolle: SECO
Bauphysik und nachhaltige Gestaltung: DGMR
Bauingenieure: Ingenieursbureau SmitWesterman - Ingenieursbureau Meijer bvba
Elektrotechnik und HLK-Technik: Flow Tech International
Generalunternehmer: Van Laere. NV
Holzblenden: Jansen Finishings
Laubholzverarbeitung: Hulsmans NV (Hobeln und Endbearbeitung)
Laubholzimporteur: Martal

Bildnachweis: Leon van Woerkom | Architectenbureau Cepezed

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