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21.08.2017

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Krone für die Wuppertaler Universität

Universität Wuppertal: Der neue Lesesaal wurde auf das Bestandsgebäude aufgestockt. Foto: Hans-Jürgen Landes
Die Fassade des Lesesaals präsentiert sich mit schuppenartig verlegten Schindeln und knüpft damit an die für das Bergische Land typische Schieferfassade an. Foto: Hans-Jürgen Landes
Neben der zylindrischen Grundform fällt bei dem Erweiterungsbau vor allem die Struktur der Fassade ins Auge. Foto: Hans-Jürgen Landes

Inmitten der Universitätsarchitektur der 1970er Jahre bereichert ein zylindrischer Gebäudekörper den Standort der Universität Wuppertal um einen modernen Lesesaal. Nach Plänen des Dortmunder Architekturbüros Schamp & Schmalöer ist ein Erweiterungsbau entstanden, der rund 200 zusätzliche Lese- und Arbeitsplätze für Studierende schafft. Besonders auffällig ist die Struktur der Fassade. Im unteren Bereich bietet die umlaufende Verglasung einen Weitblick auf Wuppertal und den Campus. Fortgesetzt wird sie im oberen Bereich mit Falzschindeln aus vorbewittertem Titanzink, die schuppenartig verlegt die typischen Schieferfassaden des Bergischen Lands gestalterisch aufgreifen.

Die Architektur von Universitäten beeinflusst das Lernen der Studierenden in erheblichem Maße. Unterschiedliche Arbeitsplatzformen – sowohl für die Team- als auch Einzelarbeit – erleichtern das individuelle Lernen. Dieser Aspekt fand auch bei der Gestaltung des neuen Erweiterungsbaus der Bergischen Universität Wuppertal besondere Berücksichtigung. Auf rund 600 Quadratmeter Nutzfläche ist ein Gebäudezylinder entstanden, der eine flexible Lernumgebung schafft.

Herausforderungen beim Bau
Da der neue Lesesaal auf das bestehende Bibliotheksgebäude aufgesetzt werden sollte, musste die Statik besonders beachtet werden. Die Aufstockung darf die vorhandenen Fundamente nicht überlasten. Für diese bautechnisch anspruchsvolle Aufgabe entschieden sich die Architekten für eine Stahlbauweise, die größtmögliche Stabilität bei minimalem Gewicht bietet. Der im Durchmesser rund 26 Meter große Rundbau wurde auf eine lastverteilende Stahlträgerebene gebaut, die die Vertikallast aufnimmt und auf das darunterliegende Bestandsstützenraster von sieben mal sieben Metern verteilt. Eine weitere Herausforderung stellte die Umsetzung der Gebäudeerweiterung dar – das Projekt musste im laufenden Betrieb realisiert werden.

Zylindrische Grundform
Aufgestockt auf das bestehende Bibliotheksgebäude, eine Architektur der 1970er Jahre, präsentiert sich die Rotunde als eigenständige starke Gebäudeform. Der Zylinder steht hierbei als Sinnbild für ein System der Ordnung – er entwickelt sich als dritte Dimension aus dem Kreis. „Man kann diese Parallele zurückführen bis auf den Gründungsmythos dieser Ikonografie der Ordnung, wie es der Architekturtheoretiker Werner Oechslin tut, indem er die Erzählung vom biblischen Seth heranzieht, der das seit Anbeginn der Menschheit gesammelte Wissen auf zwei Säulen aus gebranntem Ton festhalten wollte, um es vor der Sintflut zu retten. Zwei Säulen also mit kreisförmigem Grundriss, die zu Zeiten des Alten Testaments reichten, um das menschliche Wissen aufzunehmen“, erläutert Architekt Richard Schmalöer. Dieser elementare Gedanke findet sich in der modernen Gestaltung des Gebäudes wieder. Zugleich stellen die ruhige architektonische Hülle und die darauf abgestimmte Inneneinrichtung, die ebenfalls die zylindrische Grundform aufgreift, einen Raum für Wissen und Lernen im Zeitalter virtueller Welten dar.

Besondere Fassadengestaltung
Neben der zylindrischen Grundform fällt bei dem Erweiterungsbau vor allem die Struktur der Fassade ins Auge. Der Rundbau teilt sich hier in zwei Abschnitte: Der untere Teil des Gebäudes eröffnet mit einer umlaufenden Verglasung den Blick auf Wuppertal und den Campus. Der senkrecht verlaufende Sonnenschutz mit Aluminiumlamellen dient hier als gestalterisch stark prägendes Element. Der obere Fassadenbereich wurde mit Schindeln aus Titanzink in der Oberflächenqualität »Pigmento blau« von VMZINC gestaltet. Dieser Farbton wurde gewählt, um ein harmonisches Gesamtbild mit dem Gebäudebestand zu erzeugen. Denn die angrenzenden Sichtbetonbauten werden sukzessive saniert und erhalten dadurch einen hellen Grauton. Das Material wurde von Boehme Systems zu Classic-Schindeln in den Maßen 700 mal 400 Millimeter verarbeitet und mit einem umlaufenen Falz ausgestattet. Die schuppenartige Anordnung der Schindeln lehnt sich an die typischen Schieferfassaden des Bergischen Lands an und nimmt diese in moderner Form auf. Durch die spezielle Biegetechnik erhält diese ein u-förmiges Profil und erhöht so die Stabilität gegen abhebende Kräfte. Selbst bei hohem Winddruck verhindert die vollständig geschlossene Fläche auf diese Weise einen Wassereintrag. Der Aufbau der vorgehängten hinterlüfteten Fassade besteht zudem aus zwei Lagen vertikal verlegten, vorgerundeten Trapezblechen, zwischen denen eine 160 Millimeter dicke Mineralwolle-Dämmung angebracht wurde. Zur thermischen Entkopplung sind Alu-Kantbleche eingesetzt.

Gestaltung im Innenbereich
Im Inneren des neuen Lesesaals befinden sich rund 200 Lese- und Arbeitsplätze, die unterschiedliche Lernmöglichkeiten bieten. In dem rund sechs Meter hohen Raum befinden sich zweigeschossige, verglaste Zylinder, die im unteren Bereich für Besprechungen genutzt werden können. Loungeartige Bereiche auf den Decken der Besprechungszylinder laden zum entspannten Kommunizieren ein. Andere Raumabschnitte eignen sich zum intensiven Studium in kleinen Arbeitsgruppen oder zur gemeinsamen Veranstaltungsvorbereitung. Farbig beschichtete Lichtkuppeln unterbrechen die Deckengestaltung und bringen Tageslicht in die zentralen Bereiche des Lesesaals.

Sowohl die von Schamp & Schmalöer entworfene Innenarchitektur als auch die Außengestaltung greift als zentrales Element die zylindrische Grundform auf und präsentiert so eine moderne Architektur, die nicht nur eine Lernatmosphäre für Studierende schafft sondern zugleich den Universitätsstandort aufwertet.

BOEHME SYSTEMS Vertriebs GmbH, www.boehme-systems.com

 

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