Baufachzeitung

28.06.2017

Glasfassade + Fenster

Anti-Reflexionsgläser für Ausstellungsräume

Der Fokus der Ausstellungsgestaltung liegt immer auf dem eigentlichen Objekt. Zusätzliche Materialien wurden nur sehr reduziert eingesetzt. Foto: Die Werft
Foto: Die Werft
Foto: Die Werft
Foto: Die Werft
Foto: Die Werft
Foto: Die Werft
Foto: Die Werft
Foto: Die Werft

Im Neubau des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst in München lassen sich über 5.000 Jahre Kunst und Kultur bestaunen. Die eindrucksvolle Architektur des Gebäudes sowie eine intelligent geplante und ausgeführte Innenraumgestaltung machen den Besuch des Museums zu einem besonderen Erlebnis. Jederzeit im Vordergrund steht dabei jedoch die Präsentation der Exponate selbst. Sehr reduziert und präzise eingesetzte Materialien leiten den Blick fast unmerklich auf die Ausstellungsobjekte, die durch hochmoderne und kaum sichtbare Anti-Reflexionsgläser »Luxar« von Glas Trösch geschützt werden.

Mit der Eröffnung des Staatlichen Museums Ägyptischer Kunst ist inmitten des Münchner Kunstareals ein weiterer bedeutender Ausstellungsort zur Vermittlung kulturellen Erbes entstanden. Das Neubauprojekt des Kölner Architekten Peter Böhm besteht aus zwei Gebäuden. Im vorderen Teil des Grundstückes befindet sich das Ägyptische Museum, im hinteren Bereich die Hochschule für Fernsehen und Film. Der Clou: Das Ägyptische Museum liegt mit seinen Besucherräumen vollständig unterirdisch. Der Baukörper der Hochschule dagegen steht mit seinem Gegenüber, der Alten Pinakothek von Leo Klenze, städtebaulich in direktem Dialog. Seiner Kubatur nimmt dessen Maße in Länge und Höhe auf und springt wie er weit von der Straßenkante zurück, um Raum für eine große Grünfläche zu schaffen.

Die klare Trennung und seine Eigenständigkeit als Museumsbau markiert das Ägyptische Museum bereits durch seinen prägnanten Eingang. Auf einer breiten und sehr flach abfallenden Freitreppe bewegt sich der Besucher auf eine siebzehn Meter hohe, der Hochschulfassade vorgestellte Portalwand zu, die das Gelände weit überragt. Eine vergleichsweise kleine Öffnung verschafft Zugang zum Museum. Vom 1. Untergeschoss, in dem sich Foyer, Shop, Auditorium und andere Funktionsräume befinden, gelangt man über eine weitere Treppe in den Ausstellungsbereich im 2. Untergeschoss. Acht Meter unter der Erde liegen vierzehn Räume unterschiedlicher Größe und Proportion, in denen nach verschiedenen Themen unterteilt die etwa 2.000 Exponate der Dauerausstellung zu sehen sind. Während der kunsthistorische Teil des Museums in zwei großen Räumen ägyptische Kunst aus fünf Jahrtausenden vorstellt, behandelt der kulturhistorische Teil in zwölf kleineren Räumen Themen wie die Person des Pharao, Religion, Schrifttum und kulturelle Beziehungen. Ein in die Rasenfläche eingelassenes Atrium sorgt für natürliche Beleuchtung und ermöglicht trotz unterirdischer Lage immer wieder einen Blick ins Freie. Auf diese Weise entsteht ein Wechselspiel aus großzügigen, von Tageslicht durchströmten Pfeilerhallen und dunkleren Bereichen, wodurch das Betreten jedes Raumes besonders reizvoll wird.

Vom Material zum Objekt
Das Münchner Büro für Ausstellungsgestaltung und Innenarchitektur, DIE WERFT, wurde bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Planung einbezogen und erarbeitete die Gestaltung der Ausstellungsflächen sowie das Vermittlungskonzept unter der konzeptionellen Leitung der Museumsdirektorin Sylvia Schoske. In jedem Raum wird ein Exponat als Leitobjekt inszeniert, welches das dramaturgische Raumbild bestimmt. Um dieses Objekt herum gruppieren sich sparsam weitere Exponate, die alle zur Gesamtwirkung des Raumes beitragen. Das Augenmerk liegt dabei zu jederzeit auf dem eigentlichen Kunstobjekt.

„Die größte Besonderheit für uns war, dass es sich um ein Kunstmuseum handelt. Das bedeutet zuallererst, dass das Objekt an sich stärker im Vordergrund steht. In vielen Ausstellungen haben die Exponate ja eher dienenden Charakter, sollen also einen bestimmten Sachverhalt oder ein bestimmtes Thema illustrieren. Hier im Kunstmuseum steht das Exponat für sich selbst, ist selbst Thema. Und alle anderen Elemente der Inszenierung haben die Aufgabe, dem Besucher das Wesen des Exponats begreiflich zu machen,“ so der ausführende Innenarchitekt Christian Raißle.

Dieser beschriebene Fokus spiegelt sich im reduzierten Einsatz von Materialien und deren Integration in den Raum wieder. Die zunehmende Verfeinerung der Oberflächen steigert sich bis hin zur Herausstellung eines scheinbar vollkommen frei stehenden Kunstwerkes. Insbesondere an den Ganzglasvitrinen lässt sich der Grundsatz der Gestalter „von rohen Ursprüngen zum raffinierten Objekt“ deutlich erkennen. Die Innenwände des Museums sind in einer gröberen Betonqualität ausgeführt, zu der sich der Boden aus Muschelkalkplatten schon deutlich präziser ausnimmt. Der Objektsockel besteht wieder aus Sichtbeton, der sich nun allerdings durch extreme Ebenmäßigkeit in Oberfläche und Struktur auszeichnet. Abgeschlossen werden die Objektsockel von einer Platte aus schwarzem Stahl mit einem genauestens auf das jeweilige Exponat gefertigten Objekthalter, der dann – als Krönung handwerklichen und künstlerischen Geschicks – das Objekt selbst trägt. Ein fast unsichtbar erscheinender Schutz aus höchsttransparenten und rahmenlos verklebten Vitrinengläsern sorgt dafür, dass der Blick sich ungestört auf die Kunst konzentrieren kann.

Transparente Schutzhülle aus Glas
Neben den frei stehenden Ganzglasvitrinen, mit deren Montage die Firma barth Innenausbau beauftragt wurde, beherbergt auch eine Vielzahl an Wand- und Sondervitrinen die Schätze aus dem alten Ägypten. Ein besonderer Aspekt der Planung aller Vitrinenarten lag dabei in ihrer möglichst unauffälligen Konstruktion sowie einer gut handhabbaren Reinigung und Neubestückung, die über Dreh- und Schiebetürelemente ermöglicht wird. Es kamen ausschließlich Klebeverbindungen zum tragen, deren statische Eignung in der jeweiligen Einbausituation der teilweise bis zu 200 Kilogramm schweren und über drei Meter hohen Gläser nachgewiesen werden musste. Auch die Verklebung der Scheiben auf den als Haltekonstruktion für die Wandvitrinen dienenden Flachstahl wurde untersucht. Auf diesen optisch kaum wahrnehmbaren Rahmen brachten die Metallbauer der Firma Brüll + Gruber die Vitrinengläser flächenbündig mit den angrenzenden Wänden auf.

Die Verglasung der über 60 Vitrinen wurde fast ausschließlich mit Verbundsicherheitsgläsern aus 2 x 6 Millimeter hochmodernem Anti-Reflexionsglas EUROWHITE LUXAR® von Glas Trösch vorgenommen. Durch eine besonders geringe Restreflexion von unter 0,5 Prozent und nahezu unverfälschte Farbwiedergabe, ist es bei direkter Durchsicht fast unsichtbar und eignet sich damit hervorragend für die Realisierung einer anspruchsvollen Ausstellungsarchitektur. Für die Klebeverbindungen kam ein stark haftendes Structural Glazing Silikon der Firma Dow Corning zum Einsatz. Glas Trösch konnte durch das Institut für Fenstertechnik in Rosenheim bestätigte Verträglichkeitstest vorlegen, die eine Eignung der Verklebung im Zusammenhang mit den verwendeten Glasscheiben nachweisen und sich damit von der Konkurrenz im Wettbewerb um die Ausführung des Projektes abheben.

Eine besondere Herausforderung lag in der gesicherten Verwahrung eines der Highlights des ägyptischen Museums. Die Vitrine des meroitischen Goldschatzes der Königin Amanishakheto unterlag strengsten Sicherheitsforderungen und musste mit einer zusätzlichen Alarmspinne ausgestattet werden. Glas Trösch entwarf hierfür eine Speziallösung, bei der die Sicherheitstechnik ohne zusätzlichen Scheibenzwischenraum in die Vitrinenverglasung eingebracht werden konnte. So lässt sich das filigrane Geschmeide heute perfekt geschützt und ungetrübten Blickes im Museum bewundern.

Glas Trösch Beratungs-GmbH, www.glastroesch.de

 

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