Baufachzeitung

16.12.2017

Baunachrichten Baufachzeitung

Sicher planen und bauen Teil 1: Schlüsselfertighäuser nicht vorschnell ordern!

Sicher planen und bauen Teil 1: Schlüsselfertighäuser nicht vorschnell ordern!

 

Neunzig Prozent aller privaten Bauherren kaufen heute ein schlüsselfertiges Haus. Dazu müssen sie einen Bauvertrag mit einem Generalunternehmer oder Bauträger abschließen. Siebenundneunzig Prozent dieser Verträge haben teilweise eklatante Mängel. Das belegt die aktuelle Studie "Schlüsselfertig Bauen – Die Bauverträge mit privaten Bauherren in der Praxis" des Instituts Privater Bauherren. Zwischen den Versprechungen von Verkaufsberatern, auf Webseiten oder in Prospekten und dem tatsächlichen Bauvertrag klaffen Welten.

Viele angehende Bauherren lassen sich nach Erfahrung des Verbands Privater Bauherren (VPB) von den Schlüsselfertiganbietern in die Irre führen. Sie folgen den Versprechungen ihrer Vertragspartner und übersehen dabei: Diese "Partner" sind nicht ihre Verbündeten, sondern Geschäftsleute mit eigenen kommerziellen Interessen. Sie sitzen auf der sprichwörtlich anderen Seite des Schreibtisches. Das ist legitim, aber verwirrend für den Laien.

Zu Irritationen trägt auch der "Architekt" oder "Planer" bei. Den gibt es selbstverständlich beim Schlüsselfertigbauen auch. Jemand muss die Pläne zeichnen, Baueingaben und Bauleitung übernehmen. Traditionell ist der freie Architekt der Sachwalter des privaten Bauherrn. Er plant, leitet und überwacht den Bau, prüft Rechnungen und berät seinen Auftraggeber – in dessen Interesse. Diese Vorstellung im Kopf vergessen viele Bauherren: Der Architekt arbeitet immer für den, der ihn bezahlt. Ergo ist auf der Schlüsselfertigbaustelle der Architekt nicht der Partner des Bauherrn, sondern der Helfer des Schlüsselfertiganbieters! Der Bauherr muss das wissen und seine Interessen selbst wahren. Das kann er am besten, wenn er sich einen eigenen, unabhängigen Experten an die Seite holt – den er sich selbst aussucht, beauftragt und bezahlt. Eine Empfehlung des Unternehmers ist oft mit Vorsicht zu genießen. Manche Firmen arbeiten inzwischen mit eigens gegründeten Instituten zusammen, die die Bauherren beraten. Nicht alle Berater und Institute arbeiten strikt firmenneutral.

Beim schlüsselfertigen Hauskauf spielt heute neben den Musterhäusern oft auch das Internet eine zentrale Rolle. Dort können sich angehende Bauherren ihr Wunschobjekt zusammenklicken. Sie hoffen, auf diese Weise einen besonders günstigen Anbieter zu finden. Dabei geraten sie aber nicht nur an seriöse Partner, sondern zunehmend auch an dubiose Unternehmen. Diese sind auf den ersten Blick schwer von den seriösen zu unterscheiden. Für die Suche nach einem soliden Bauunternehmer sollten Bauherren sich aber ausreichend Zeit nehmen. Schließlich geht es um sehr viel Geld.

Die sprichwörtlichen Warnleuchten müssen beim angehenden Bauherrn blinken, sobald er merkt, er bekommt es mit mehreren Firmen, Büros und Vertragspartnern zu tun – und soll mit jedem einen Vertrag abschließen: Der eine verkauft ihm die Entwürfe, der nächste das Grundstück, der dritte den Keller, ein anderer passt die Pläne an und holt Genehmigungen ein, und wieder andere sollen mauern, putzen, betonieren. Die Zuständigkeiten sind verworren, Ansprechpartner oft nicht greifbar, der Geldfluss und die Haftung bei Mängeln schwer nachvollziehbar. Bausachverständige sprechen vom sogenannten Vertragspartner-Dschungel. Darauf sollten sich Bauherren nicht einlassen, wenn sie nicht selbst einen steuernden Architekten beauftragt haben.

Im Idealfall kommt das schlüsselfertige Haus aus einer Hand. Auch dann sind Vertrags- und Baumängel nicht auszuschließen, aber immerhin lässt sich der Verantwortliche eindeutig identifizieren. Wer ein schlüsselfertiges Haus kaufen möchte, der sollte deshalb zwei Dinge tun: Sich am besten noch vor Vertragsabschluss einen unabhängigen Berater suchen, der ihn schon bei der Auswahl des Bauunternehmens unterstützt und den Vertragsentwurf prüft, und sich vor allem auf dem heimischen Markt umsehen. Alt eingesessene Firmen sind in der Regel keine schlechte Wahl, so der VPB. Sie sind auf ihren guten Ruf angewiesen und pflegen ihn durch solide Angebote und zuverlässige Leistungen. Es empfiehlt sich, im Vorfeld Referenzen einzuholen. Eine Bank- oder Schufa-Auskunft ist in Grenzen sinnvoll, denn schließlich bildet sie immer nur die Vergangenheit ab und sagt wenig aus über das zukünftige Geschäftsgebaren einer Firma.

Damit der Bauherr weiß, mit wem er es zu tun hat, hat der VPB alle am Bau Beteiligten im Ratgeber "Wer ist wer am Bau?" vorgestellt. Er kann gratis von der VPB-Website heruntergeladen werden im Bereich Services unter Kostenlose Angebote.

Die Studie "Schlüsselfertig Bauen – Die Bauverträge mit privaten Bauherren in der Praxis" des Instituts Privater Bauherren gibt es im VPB Online-Shop, im Service-Bereich.

Weitere Informationen beim
Verband Privater Bauherren e.V. Bundesbüro
Chausseestraße 8
10115 Berlin
Telefon 030-2789010
Fax: 030-27890111
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.vpb.de

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