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22.09.2017

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Häuser aus Plastikmüll - Preiswertes Bauen in Entwicklungsländern

 

Häuser aus Plastikmüll - Preiswertes Bauen in Entwicklungsländern

Einfachbehausungen aus einem Drahtgittergerüst, gefüllt mit Recyclingmaterial, bilden das jüngste Projekt, das der international arbeitende Installationskünstler Markus Heinsdorff als Vision für die Dritte Welt entwickelt hat. Vorgestellt wird sein neues Konzept im Rahmen der Ausstellung „Low Cost Houses and Pavillons“ im Haus der Architektur in München. Die Exponate stellen einen Querschnitt durch die zahlreichen Leichtbau-Konstruktionsideen von Heinsdorff dar.

Architekturstudenten an der Hochschule Weihenstephan in Freising steckten kurz vor Ausstellungseröffnung ein Modellhaus aus Drahtgittern zusammen und demonstrierten damit, dass das Grundgerüst in wenigen Stunden errichtet werden kann. Die Körbe aus punktgeschweißten Drahtmatten, im Fachjargon Gabionen genannt, wurden von dem renommierten Hersteller Rothfuss aus Hemmingen bei Stuttgart zur Verfügung gestellt. Die Befüllung des Gerüsts aus korrosionsgeschütztem Stahldraht soll erst im Frühjahr erfolgen. Bis dahin haben die Studenten Zeit, ein Konzept für die Ausgestaltung der Wände im Sinne des visionären Installationskünstlers zu erarbeiten.

Die Eingebung für ein „Müll-Haus“ kam Heinsdorff auf einer seiner zahlreichen Reisen in Erdregionen, wo eine sichere Behausung zum Luxus zählt. In den Slums der Dritten Welt mit ihren Bergen von Abfällen entdeckte er Plastikflaschen und anderes herumliegendes Material als kostenlose Baustoffe. Das erste von ihm angestoßene Projekt steht in Südafrika. Weggeworfene Plastikbehältnisse, gefüllt mit Wasser oder wahlweise mit Sand, eingepackt in Gabionen-Wände, stellen in dem Land mit seinen extremen Temperaturschwankungen eine nahezu ideale Wärmedämmung dar. In Ländern, in denen anders als bei uns keine funktionierenden Recycling-Systeme existieren, trägt eine sinnvolle Verwendung der Abfälle auch zum Umweltschutz bei.

An der Hochschule Weihenstephan in Freising bauen Architekturstudenten ein Modellhaus aus Gabionen zusammen

Markus Heinsdorff sieht sich selbst an der Schnittstelle von Kunst und Architektur. Mit seinen Installationsprojekten will er Impulse geben, die später im Bauwesen zum Tragen kommen. Bekannt geworden ist er bisher in erster Linie wegen seiner

Konstruktionen aus Bambus, die er während seiner Aufenthalte in Entwicklungsländern als preiswertes Baumaterial ausgemacht hatte. Seine momentanen Experimente mit Gabionen hält er für eine Entwicklung, die sich ihm geradezu aufgedrängt habe.

Die Drahtgitterkörbe stellen in seinen Augen „ideale Gefäße“ dar, um aus natürlichen Materialien wie Gestein und, wenn es sein muss, eben auch aus Abfällen Bauwerke zu gestalten. Als nächstes hat er den Plastikmüll aus den Ozeanen im Visier. In Kapstadt plant er eine „Großskulptur“ in Form eines großen Gabionen-Hauses, wobei das Füllmaterial aus den gesammelten Kunststoffresten von den südafrikanischen Stränden stammen soll.

Neben der Unterstützung durch das Land Bayern kann er wie bisher damit rechnen, von der Firma Rothfuss die Drahtgittermatten zur Verfügung gestellt zu bekommen. Der Spezialist für hochwertige Drahterzeugnisse hat sich schließlich in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten den Ruf erworben, immer neue Anwendungsfelder für Gabionen zu finden. Die Ausstellung „Low Cost Houses and Pavillons“ hat ihre Pforten noch bis zum 8. Februar 2014 im Haus der Architektur in München geöffnet.

 

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