Baufachzeitung

29.06.2017

Bauwirtschaft Baufachzeitung

Dezentral Lüften – Alternativen zu aufwendigen Lüftungssystemen

Velux Balanced Ventilation wurde in Zusammenarbeit mit dem Lüftungsspezialisten Renson entwickelt und ist ein selbstregulierendes Lüftungselement, welches keinen Storm für den Betrieb benötigt. Foto: Velux Deutschland GmbH
Der erste Lüfter mit Wärmerückgewinnung für Dachfenster: Velux Smart Ventilation. Foto: Velux Deutschland GmbH
Der erste Lüfter mit Wärmerückgewinnung für Dachfenster: Velux Smart Ventilation. Foto: Velux Deutschland GmbH
Die Grafik zeigt die Messwerte der Luftvolumenströme von Dachfenstern mit Velux Balanced Ventilation für verschiedene Fenstertypen und -größen bei unterschiedlichem Differenzdruck (Pa). Grafik: Velux Deutschland GmbH

Die Notwendigkeit in energieeffizienten Gebäuden regelmäßig zu lüften, ist unbestritten. Diese Herausforderung wird bei Neubauten häufig durch eine direkt eingebaute mechanische Lüftungsanlage gelöst. Bei stark energieeffizient ausgerichteten Hauskonzepten, etwa Passivhäusern, ist in Extremfällen sogar das Lüften über Fenster gar nicht mehr vorgesehen. Wie 2013 eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin im Auftrag des Dachfensterherstellers Velux zeigte, ist dies jedoch eine Variante, mit der sich nur sehr wenige Deutsche anfreunden können. Knapp 65 Prozent geben an, dass es ihnen sehr wichtig ist, auch über Fenster lüften zu können. Nimmt man die Personen dazu, denen es „eher wichtig“ ist, sind es sogar 88,9 Prozent. Es lohnt sich demzufolge, einen Blick darauf zu werfen, wie energieeffizientes Lüften über Fenster realisiert werden kann.

Lüftung mit automatischen Fenstern
Elektrisch betriebene Fenster gibt es inzwischen im Fassaden- wie im Dachfenster-Bereich. Mit Ihnen können Mieter oder Eigentümer einen Luftwechsel sicherstellen, ohne sich laufend selbst darum kümmern zu müssen. Eine Lösung dafür ist das einmalige Einstellen bestimmter Lüftungszeiten, in denen sich die Fenster automatisch öffnen, über eine Funksteuerung. So lassen sich die von Experten empfohlenen drei bis fünf etwa zehnminütigen Lüftungsintervalle pro Tag realisieren – selbst wenn niemand zu Hause ist. Wer wirklich bedarfsgerecht lüften will, kann dies mit Unterstützung moderner Sensortechnik realisieren. Hersteller wie Velux und MSR Electronic etwa bieten eine Lösung, bei der eine Luftqualitätssteuerung auf Basis von Sensormesswerten die Fenster steuert. Sind Grenzwerte für Luftfeuchtigkeit oder Schadstoffbelastung in der Luft überschritten, öffnet diese Technik die Fenster automatisch solange, bis die Luftqualität wieder besser ist. Sorgen vor Wasserschäden durch Regen sind bei beiden Varianten unbegründet: Ein Regensensor schließt die Fenster bei Niederschlag bzw. öffnet sie erst gar nicht. Auch Lösungen mit Windsensoren gibt es inzwischen im Markt, so dass auch Sturmschäden ausgeschlossen werden können.

Sorgen vor mangelnder Energieeffizienz unbegründet
Dass die natürliche Fensterlüftung energieeffizient eine gute Raumluftqualität sowie den hygienisch notwendigen Luftwechsel herstellen kann, zeigte das Ergebnis einer Untersuchung der Hochschule für Technik Stuttgart. Auch das wissenschaftlich begleitete Wohnexperiment „Velux LichtAktiv Haus“ hat gezeigt, dass mit einer bedarfsgerechten natürlichen Lüftung ohne Wärmerückgewinnung ein niedriger Energieverbrauch erzielt werden kann. Bei der Planung des Lüftungskonzeptes von Gebäuden durch Planer oder Handwerker werden derzeit jedoch die Möglichkeiten der kontrollierten natürlichen Lüftung über automatisch gesteuerte Fenster in der Fassade und im Dach noch nicht hinreichend genutzt. Grund dafür ist, dass die 2009 novellierte Raumlufttechnik-Norm DIN 1946-6 den Außenluftvolumenstrom durch Fensterlüftung für die Auslegung der lüftungstechnischen Maßnahmen nicht berücksichtigt. Vereinfachte Planungstools, die Planer in die Lage versetzen, die kontrollierte natürliche Lüftung als energieeffiziente Alternative bei ihren Lüftungskonzepten umzusetzen, sind jedoch in Entwicklung.

VELUX Balanced Ventilation - Selbstregulierendes Lüftungselement für VELUX Dachfenster. Videodauer 2:00 Minuten

Dezentrale Fensterlüfter mit geringem Wartungsaufwand
Eine Möglichkeit, der DIN 1946-6 mit Fenstern gerecht zu werden, besteht darin, Lüftungskomponenten in Fassaden- und Dachfenster zu integrieren. Ein Hygienerisiko, wie es bei Luftschächten durch mangelnde Wartung auftreten kann, ist bei dieser dezentralen Belüftung über einzelne Fenster erheblich minimiert. Die Wartung ist einfacher und zum Teil sogar von den Bauherren selbst durchzuführen. Zudem sparen sie mit dieser Lösung viel Platz, da im Haus kein zusätzlicher Raum für eine zentrale Lüftungsanlage und die Installation von Lüftungskanälen eingeplant werden muss. Wer gerne zusätzlich stoßlüftet, muss sich keine Sorgen machen: Bei nahezu allen Lösungen wird es weiter möglich sein, Fenster wie bisher zu öffnen, um etwa im Sommer abends intensiv zu lüften und so den Raum abzukühlen.

Der weltweit größte Hersteller von Dachfenstern hat beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem Lüftungsspezialisten Renson die Technologie Velux Balanced Ventilation entwickelt. Dabei handelt es sich um ein selbstregulierendes Lüftungselement, dass die seit bereits über vier Jahrzehnten bewährte Technik der traditionellen Lüftungsklappe bei Velux Dachfenstern optimiert. Es ermöglicht als eigenständiges Zu- und Abluftelement bei natürlicher Querlüftung permanente, reduzierte Dauerlüftung für Feuchteschutz, hygienischen Mindestluftwechsel und damit verbesserte Wohngesundheit. Wenn bei Neubauten oder umfangreichen energetischen Sanierungen der nutzerunabhängige Mindestluftwechsel nach DIN 1946-6 sichergestellt werden muss, ist dies mit Velux Balanced Ventilation energieeffizient mit einem Lüftungselement pro Raum bis 20 m² Grundfläche realisierbar. Voraussetzung ist, dass freie Querlüftung möglich ist – also mindestens ein zweites Element auf einer anderen Fassadenseite vorhanden ist, zu dem die Luft ungehindert strömen kann.

Eine andere Zubehör-Technologie erfüllt darüber hinaus zudem sehr hohe Ansprüche an Energieeffizienz. Ein Lüfter mit Wärmerückgewinnung wird dabei in das Fenster intergiert. Durch diesen geht trotz konstanter Frischluftzufuhr die Wärme mit der abziehenden Raumluft nicht verloren, sondern lässt sich – etwa mit der von Velux 2014 vorgestellten Lösung Smart Ventilation – bis zu 85 Prozent zurückgewinnen. So verspricht diese Technologie bei dezentraler Fensterlüftung eine hervorragende Energieeffizienz – ähnlich hoch wie bei zentralen Lüftungssystemen. Bei letzteren entsteht durch das Verlegen von Lüftungsschächten jedoch erheblicher baulicher Aufwand und zudem wird Platz für die Anlage benötigt. Beim Fensterlüfter genügt pro Raum bis 20 m² ein Element und die Montage ist genau so einfach wie der Einbau eines üblichen, elektrisch betriebenen Velux Dachfensters. Insbesondere beim Einsatz im Rahmen von energetischen Sanierungen ist diese leichtere Installation ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Es gibt also einige Lösungen, ausreichenden Luftwechsel dezentral über Fenster sicherzustellen und damit Alternativen zu aufwendigen Lüftungsanlagen. Sie reichen von der natürlichen zeit- oder sensorgesteuerten Intervalllüftung über sich automatisch öffnende Fenster bis hin zu Zubehör-Technologien, die Dauerlüftung in hohem Maße energieeffizient realisieren.

 

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