Baufachzeitung

26.04.2017

Bauwirtschaft Baufachzeitung

Sto-Architektenfortbildung in Dresden

Dreidimensional und weiß: die mit rund 6.000 Glasfaserbetonelementen auf eine maßgefertigte Unterkonstruktion von Sto als VHF ausgeführte Fassade des nachhaltigen Bürogebäudes HumboldtHafenEins in Berlin. Foto: Hentschke Bau

Ästhetik, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sind nur einige der komplexen Aufgabenstellungen, denen sich Architekten heute stellen müssen. Als Projektpartner widmet sich Sto nach eigenen Angaben kontinuierlich in Fortbildungsveranstaltungen diesen Themen, fördert den praxisnahen Dialog und zeigt zukunftsfähige Problemlösungen auf. Am 23. September 2015 nutzten rund 80 Fachleute in Dresden die Möglichkeit, sich über Neuheiten und ungewöhnliche Ansätze bei vorgehängten hinterlüfteten Fassaden (VHF), nahezu wärmebrückenfreien Unterkonstruktionen und Photovoltaik an der Fassade zu informieren. Positive Resonanz fand der Erfahrungsaustausch mit qualifizierten Fassadenbauern zur Optimierung der Prozesskette.

Peter Appenzeller weiß, Architektur prägt unsere Städte und unsere Wahrnehmung. Der Leiter StoDesign Deutschland verfolgt und analysiert globale Trends und berichtete dazu: „Es geht immer um die individuelle Fassade – sie ist aber ‘leiser’ und subtiler in der Ausführung geworden. Nach Jahren in Bunt und Glatt finden wir heute zunehmend Gestaltungen in Weiß, Grau und Schwarz sowie mit freihandwerklicher Strukturierung. Es wird mit Applikationen, metallischen Effekten, Naturstein mit individuellen Oberflächen oder intelligenten Formaten gearbeitet. Auffallend sind homogene Übergänge in geneigte Flächen sowie der Einsatz von Klinkerriemchen – selbst in Bayern. Das System der VHF bietet hierfür viele gestalterische Möglichkeiten, immer verbunden mit hoher Funktionalität und technischer Sicherheit.“

Schlicht und streng geometrisch: die neue Propsteikirche St. Trinitatis in Leipzig, ausgeführt mit dem VHF-System StoVentec ARTline mit Rochlitzer Porphyr – am markanten Kirchturm in Kombination mit Photovoltaik-Panels. Foto: Sto SE & Co. KGaA

Basierend auf diesem Know-how und getreu dem Leitbild „Bewusst bauen“ entwickelte Sto das Produktsortiment in diesem Bereich kontinuierlich weiter. Das Unternehmen steht Architekten und Planern bei der individuellen und technisch zuverlässigen Projektrealisierung partnerschaftlich zur Seite. Patrick Ziegler-Herboldt, Bereichsleiter Fassadenunterkonstruktion, konkretisierte das Sto-Komplettsystem für VHF beispielhaft durch Ausführungen zu nahezu wärmebrückenfreien Unterkonstruktionen – sogar mit Passivhauszertifikat. Wichtig hierbei sind punktförmige Wandhalter aus Edelstahl. Diese besitzen eine 11- bis 13-mal geringere Wärmeleitfähigkeit als Aluminium und zeigen im thermografischen Vergleich kaum sichtbare Wärmeverluste.

Die Referenten (v. r. n. l.): Frank Beßler, Veranstalter und Verkaufsleiter Vertriebsregion Mitte der Sto SE & Co. KGaA; Patrick Ziegler-Herboldt, Architekt und Bereichsleiter Fassadenunterkonstruktion der Verotec; Professor Dr.-Ing. Ulrich Möller, Institut für Hochbau, Baukonstruktion und Bauphysik der HTWK Leipzig; Christian Wünnig, AWB Architekten, Dresden; Ulrich Schneider, Geschäftsführer der Gramon GmbH,Torgau; Stefan Hörnig, Werkleiter Hentschke Bau GmbH, Bautzen, Daniel Kurzke, Projektleiter Dachschneider Weimar GmbH, Umpferstedt, und Jürgen Pietsch, Kalkulator Hentschke Bau GmbH, Bautzen. Foto: Sto SE & Co. KgaA

Unterkonstruktion und Gesamtenergiebedarf
Professor Dr.-Ing. Ulrich Möller vom Institut für Hochbau, Baukonstruktion und Bauphysik der HTWK Leipzig griff dies in seinem Vortrag auf. Er präsentierte Ergebnisse einer Untersuchung zum Einfluss der Unterkonstruktion auf den Gesamtenergiebedarf von Gebäuden. Zusammenfassend stellte er fest: „Die steigenden energetischen Anforderungen ab 2016 und darüber hinaus stellen höhere Anforderungen an die Unterkonstruktion. Aluminium ist dann nur noch bedingt nutzbar und ein Ausgleich durch Erhöhung der Dämmstoffdicke nicht sinnvoll.“ Mit dem System der VHF und der energieoptimierten Unterkonstruktion lassen sich die Vorgaben der EnEV 2016 sicher erreichen. Eine effektive Unterkonstruktion muss neben dem Wärmeschutz auch ein Optimum an Statik, Brandschutz und Wirtschaftlichkeit bieten.

Die Fassadensanierung des Pilotprojektes für gebäudeintegrierte Photovoltaik wurde mit dem VHF-System StoVentec G mit 524 auf Trägerplatten aufgeklebten schwarzen Glas-Modulen realisiert, kombiniert mit dem VHF-System StoVentec ARTline mit Photovoltaik-Panels. Foto: Sto SE & Co. KGaA

Nachhaltige Referenzobjekte mit VHF realisiert
Die Präsentation von Referenzobjekten bildete den Höhepunkt der Fortbildungsveranstaltung. Daniel Kurzke von der Fassadenbaufirma Dach Schneider GmbH, Umpferstedt; informierte über die neue Propsteikirche St. Trinitatis von Schulz und Schulz Architekten in Leipzig. Dieser streng geometrische Kirchenneubau ist der größte in Ostdeutschland seit der politischen Wende und wurde am 9. Mai 2015 geweiht. Hier kam das VHF-System StoVentec ARTline mit Rochlitzer Porphyr zum Einsatz – am markanten und 50 Meter hohen Kirchturm des Sakralbaus sogar kombiniert mit großflächigen Photovoltaik-Panels. Rochlitzer Porphyr ist ein in Leipzig traditionell häufig verwendeter Naturstein, der in Sachsen abgebaut wird. Die Modernisierung und der Umbau des Walther-Hempel-Baus der Technischen Universität in Dresden erfolgte durch das Büro AWB Architekten, Dresden. Es realisierte für den Freistaat Sachsen Büro- und Seminarräume sowie hochwertige Laboreinrichtungen, die der chemischen Forschung und Lehre optimale Rahmenbedingungen bieten. Die Fassadensanierung des Pilotprojektes für gebäudeintegrierte Photovoltaik wurde mit dem VHF-System StoVentec G mit 524 auf Trägerplatten aufgeklebten schwarzen Glas-Modulen realisiert, kombiniert mit dem VHF-System StoVentec ARTline mit Photovoltaik-Panels. Christian Wünnig vom Büro AWB Architekten, Dresden; berichtete in dem Zusammenhang über die besonderen Herausforderungen aufgrund der schwarzen Glas-Module. Diese hätten zu Temperaturen von über 80 Grad Celsius im Hinterlüftungsraum geführt, wären nicht Fassadenschnitt, Fugenanteile, Hinterlüftungsspalt und Dämmung optimiert worden. Abzuwarten bleibt, welchen Beitrag die Module in der Fassade auf die Energieerträge haben werden.

Modernisiert und modellhaft: der Walter-Hempel-Bau der TU Dresden. Architekt Christian Wünnig informierte über die Fassadensanierung mit dem VHF-System StoVentec G mit 524 auf Trägerplatten aufgeklebten schwarzen Glas-Modulen, kombiniert mit dem VHF-System StoVentec ARTline mit Photovoltaik-Panels. Foto: Sto SE & Co. KgaA

Als große Teamleistung erlebten Jürgen Pietsch von Hentschke Bau GmbH; Bautzen; und Ulrich Schneider von der Fassadenbau Gramon GmbH, Torgau; die Realisierung des HumboldtHafenEins von KSP Jürgen Engel Architekten in Berlin. Für die dreidimensionale Fassade des ökologischen Vorzeigebürogebäudes von Berlin wurden bis zu 1,50 Meter breite und 320 Kilogramm schwere Glasfaserbetonelemente gefertigt. Ein vierköpfiges Team montierte diese dann millimetergenau mittels Kran und Hebebühne auf die maßgefertigte Unterkonstruktion von Sto. Neben allen untersuchten und zertifizierten Materialien unterstützt auch die Geometrie des Objektes den Ansatz des nachhaltigen Bauens. Der schlanke, mäanderförmige Gebäudekörper fördert zusammen mit der weißen VHF-Betonfassade die Tageslichtnutzung. Im Juli 2015 eröffnet, war HumboldtHafenEins bereits von der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen mit DGNBGold vorzertifiziert worden.

„Die partnerschaftliche Zusammenarbeit bei den präsentierten Referenzobjekten und die intensiv geführten Diskussionen zeigen uns: VHF mit wärmebrückenoptimierter Unterkonstruktion und kombiniert mit den vielfältigen Möglichkeiten des StoVentec-Fassadensystems ist eine zeitgemäße Antwort auf die komplexer gewordenen Anforderungen an das Bauen. Für die sichere Realisierung bedarf es qualifizierter und verlässlicher Prozesspartner“, resümiert Frank Beßler, Verkaufsleiter der Sto-Vertriebsregion Mitte und Veranstalter. Deshalb wird es 2016 eine Fortsetzung der Veranstaltung geben.

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