Baufachzeitung

23.08.2017

Bauwirtschaft Baufachzeitung

Vogelfalle Glas - BUND zeigt Lösungen zu vogelfreundlicher Architektur

Das neue Erdgaskraftwerk in Düsseldorf ist ein gelungenes Positivbeispiel für den Vogelschutz und die Energieeffizienz. Der „Block Fortuna“ wurde komplett aus Glas gestaltet, jedoch fast komplett mit horizontalen Streifen (3mm Breite, 47 mm Kantenabstand) versehen. Diese wurden bereits bei der Glasproduktion auf die äußere Schicht aufgedruckt und sind so ein dauerhaftes Hindernis für Vögel.
Das neue Erdgaskraftwerk in Düsseldorf ist ein gelungenes Positivbeispiel für den Vogelschutz und die Energieeffizienz. Der „Block Fortuna“ wurde komplett aus Glas gestaltet, jedoch fast komplett mit horizontalen Streifen (3mm Breite, 47 mm Kantenabstand) versehen. Diese wurden bereits bei der Glasproduktion auf die äußere Schicht aufgedruckt und sind so ein dauerhaftes Hindernis für Vögel.
Am Bundesamt für Naturschutz in Bonn wurden Glasscheiben vogelsicher Nachgerüstet um den Vogelschlag zu minimieren. Dazu wurden vertikale Balken aus kleinen horizontalen Streifen gewählt. Bild: Natalie Hofbauer
Am Bundesamt für Naturschutz in Bonn wurden Glasscheiben vogelsicher Nachgerüstet um den Vogelschlag zu minimieren. Dazu wurden vertikale Balken aus kleinen horizontalen Streifen gewählt. Bild: Natalie Hofbauer
nur schwer ausweichen können, wenn sie ein Hindernis zu spät erkennen. Zum Schutz dieser und aller anderen Vögel sollte Glas an Gebäuden vogelfreundlich gestaltet sein.
Besonders in Schutzgebieten sollte besonders vogelfreundlich gebaut werden. Nach nicht ausreichend sicherer Gestaltung der Fassade des Glaskubus auf dem Drachenfels im Rhein Sieg Kreis musste das Gebäude vogelfreundlich mit horizontalen Streifen nachgerüstet werden. Bild: Gunter Falk

Artenvielfalt steigert Lebensqualität
Die Artenvielfalt in Städten steigert auch die Lebensqualität der dort lebenden Menschen. Je mehr Tiere und Pflanzen in einer Stadt vorkommen, desto wohler fühlt sich der Einwohner. Deshalb ist es wichtig die Artenvielfalt in Städten zu erhalten und zu fördern. Die Ursache für die hohe Vogelvielfalt in verstädterten Gebieten liegt vor allem in der voranschreitenden industriellen Agrarnutzung im ländlichen Raum. Monokulturen nehmen zu und somit verschwindet der natürliche Lebensraum für Vögel. Städte dagegen, mit ihren Parkanlagen und natürlich angelegten Gärten, bieten einen attraktiven Lebensraum. Doch transparente und spiegelnde Bauelemente, wie Glasfassaden, stellen eine große Bedrohung für wild lebende Vögel dar. Sie verenden an den Folgen des Aufpralls an Glas. Doch glücklicherweise gibt es Lösungen die dabei helfen, das Problem zu vermeiden.

18 Millionen Vögel sterben jährlich
Mit „Vogelschlag“ wird der unschönen Tatsache, dass Vögel regelmäßig durch den Aufprall an Glas oder dessen Folgen sterben müssen, ein Name gegeben. Denn Vögel können Glas als solches nicht erkennen. Sie sehen nur die attraktiven Landschaften mit Sträuchern oder Bäumen hinter den Glasscheiben bzw. in den Spiegelungen und fliegen somit mit voller Fluggeschwindigkeit, die je nach Vogel bei bis zu 100 km/h liegen kann, gegen das Hindernis. In der Regel überleben die Vögel die Kollision nicht. Entweder sterben sie direkt oder oft später, an den Folgen des Aufpralls durch innere Verletzungen. Allein in Deutschland verenden so jährlich mehr als 18 Millionen Vögel. Doch das kann durch unterschiedliche Methoden - auch attraktiv - vermieden werden.

Streifen, Punkte oder kreative Muster auf Glasflächen
Wenn mit Glas gebaut werden soll, ist die wirksamste Methode, Glas vogelsicher zu gestalten, das Drucken, Ätzen oder Kleben von Mustern auf den Glasflächen. In Österreich gibt es bereits die Norm ONR 191040, nach der Glas auf Vogelfreundlichkeit getestet wird. Als am wirksamsten erwiesen sich bei den Tests Streifen- und Punktmuster. Bei der Anbringung gilt es einen Abstand von höchstens zehn Zentimetern (Handflächenregel) einzuhalten, damit das Muster für die Vögel als Hindernis erkennbar bleibt. Anhand dieser simplen Regel bemerkt man schnell, dass das Anbringen von einzelnen Vogelsilhouetten, wie es bisher üblich war, wenig Wirkung zeigt. Auch die Verwendung von Glas mit UV-Licht reflektierenden Mustern ist nicht ausreichend. Es gibt zwar Vögel, die UV-Licht wahrnehmen, allerdings auch genügend Vögel die kein UV-Licht sehen können.
Sollten Streifen und Punkte als unkreativ empfunden werden, kann man auch ohne Probleme andere Muster verwenden.
Es besteht durchaus die Möglichkeit einem Gebäude noch eine individuelle Note zu geben. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, allerdings gilt es ein paar Regeln zu berücksichtigen: Beispielsweise sollte die Spiegelung des zu verwendenden Glases unter 15 Prozent liegen oder Musterbestandteile sollten maximal eine Handflächenbreite Abstand (= 10cm) zueinander haben.
Auch die Wahl von Milch- oder Ornamentglas kommt Vögeln zu Gute, denn diese Art von Glas erkennen sie ebenfalls als Hindernis. Sollte bei der Realisierung eines neuen Gebäudes auch ein indirekter Lichteinfall genügen, bieten diese Glasarten eine gute Alternative.

Die vogelfreundliche Bauweise muss während der Planungsphase berücksichtigt werden (§1 (6) BauGB „Auswirkungen auf Tiere“). Da das Bundesnaturschutzgesetz (§44) das Töten und Verletzen von besonders geschützten Tieren, wie wildlebenden Vögeln, verbietet, muss dieses Risiko minimiert werden.
Um auf die Problematik aufmerksam zu machen hat der BUND NRW das von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung (SUE) Nordrhein-Westfalen geförderte Projekt „Vermeidung von Vogelschlag an transparenten und spiegelnden Bauelementen“ ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es, das Vogelsterben aufgrund von Kollision mit Glasflächen zu stoppen, Architekten interessante Lösungen zu zeigen und an deren Kreativität zu appellieren. Die Projektleitung obliegt der Biologin Dr. Judith Förster.

Mehr Informationen
Anregungen zu Mustern und vogelfreundlichen Kriterien entnehmen Sie der BUND Projekthomepage www.vogelsicherheit-an-glas.de. Hier finden Sie auch alle weiterführenden Informationen zu vogelfreundlicher Architektur.

Kontakt
Dr. Judith Förster
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.
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