Baufachzeitung

25.07.2017

Bauwirtschaft Baufachzeitung

Positive Bilanz

Phenolharz-Hartschaum-Dämmplatte der Sto AG nach DIN EN 13166 für die Fassadendämmung. Foto: Martin Duckek
Für den Dämmstoff »expandiertes Polystyrol« liegen bereits seit einigen Jahren verschiedene Deklarationen vor.

Das Bewusstsein für umweltverträgliches Bauen hat ein sehr ausdifferenziertes Bewertungssystem für Baustoffe hervor gebracht. Wurde früher nur geschaut, ob für die Produktion eines (Dämm-)Stoffes weniger Energie eingesetzt wurde, als er in seiner Nutzungsphase spart, ist das heutige System der »Environmental Product Declaration« (EPD, Umwelt-Produkt-Deklaration) sehr viel breiter angelegt. Mit dem ganzheitlichen Blick fließen auch Aspekte wie Umweltbelastung durch Transport oder bei der Entsorgung in die Bilanz ein.

Um neutrale, valide Ergebnisse zu erhalten, liegt die Bilanzierung nicht in den Händen der Hersteller, sondern wird von neutralen Instituten übernommen. Für den Dämmstoff »expandiertes Polystyrol« liegen bereits seit einigen Jahren verschiedene Deklarationen vor: Das Institut Bauen und Umwelt (Königswinter) hat die Umwelt-Produkt-Deklaration (EPD) nicht für einen einzelnen Hersteller durchgeführt, sondern für alle Anbieter, die im Industrieverband Hartschaum zusammengeschlossen sind –und somit für den größten Teil der verfügbaren EPS-Dämmstoffe. Wie genau die Prüfer hinschauen wird auch daran deutlich, dass keine »General-EPD für EPS« existiert, sondern auch innerhalb dieser Produktgruppe differenziert wird: Es gibt eigenständige Deklarationen für die verschiedenen EPS-Unterarten.

Die sehr ausführlichen Dokumente setzen sich nicht nur mit der Nutzungsphase auseinander, sondern umfassen u.a. auch Produktherstellung und Stoffherkunft. Plastisch wird die Bilanz am besten mit dem konkreten Beispiel – hier ist es die »Umwelt-Produktdeklaration für EPS-Hartschaum (grau) mit Wärmestrahlungsabsorber« ein, erstellt vom Institut Bauen und Wohnen.

Die Bilanz umfasst die Rohstoff- und Energiegewinnung, Rohstofftransporte, die Herstellung des EPS-Hartschaums – auch die Verpackung –, und ein Szenario für das »End-of-Life« des Produkts. Als Basis dienten spezifische Angaben von vier Mitgliedsunternehmen des IVH sowie Daten aus der Datenbank »GaBi 4«. Die Bilanz wurde nach DIN ISO 14040/44. entsprechend den »Anforderungen des Leitfadens Umwelt-Produktdeklarationen zu Typ-III-Deklarationen des Instituts Bauen und Umwelt e.V.« durchgeführt. Ausgangspunkt ist ein Kubikmeter EPS-Hartschaum (durchschnittliche Dichte 16,6 kg/m³ für SA-032).

Um zu ermitteln, in welchem Maß das Produkt die Umwelt belastet, werden alle Ausgangsstoffe, die eingesetzte thermische Energie, der interne Kraftstoffverbrauch sowie der Stromverbrauch, direkte Produktionsabfälle sowie alle zur Verfügung stehenden Emissionsmessungen berücksichtigt. Transportbelastungen werden über Annahmen in die Rechnung eingebaut - selbst der Einsatz von Euro-Paletten fällt nicht unter den Tisch. Wasserverbrauch, Müllarten und –mengen und Sekundärbrennstoffe werden ebenfalls analysiert.

Im Untersuchungsszenario wird das EPS nach seiner Nutzung thermisch verwertet – also in einer Müllverbrennungsanlage für die Wärmegewinnung genutzt.

Ergebnis
Aus diesen vielen Daten ermitteln die Wissenschaftler Werte für eine Reihe von Umweltfaktoren:
o Ressourcenverbrauch (ADP)
o Treibhauspotenzial (GWP)
o Ozonabbaupotenzial (ODP)
o Versauerungspotenzial (AP)
o Eutrophierungspotenzial (EP)
o Sommersmogpotenzial (POCP)

Das Ergebnis für den hier untersuchten Dämmstoff ist zum einen, dass der Großteil des Umweltpotenzials im Produkt selbst steckt – der Transport beispielsweise verändert die Bilanz kaum und kann vernachlässigt werden. Durch das Verbrennen in einer Müllverbrennungsanlage verbessern sich (mit Ausnahme des GWP-Wertes) die einzelnen Werte, da das EPS dadurch eine »Energiezufuhr« bewirkt.

EPS-Gewinne
Die intensive Analyse des IBU zeigt bereits, dass EPS weit davon entfernt ist, als besonders umweltgefährdender Stoff klassifiziert zu werden. Vielmehr belastet der gesamte Lebenszyklus unsere Umwelt nur sehr gering.

Wenn nun noch betrachtet wird, wie viel Energie durch den Einsatz des Dämmstoffs nicht verbraucht wird, dann fällt die Bilanz noch weitaus besser aus. Der Verbrauchsrückgang durch eine Fassadendämmung ist zwar sehr objekt- und nutzerspezifisch – aber selbst unter ungünstigen Voraussetzungen hat eine EPS-Dämmung nach vier Wintern mehr Öl gespart, als es in der Herstellung gekostet hat. Bei einer (wiederum sehr vorsichtig geschätzten) Nutzungsdauer von 30 Jahren liegt der Ölverbrauch rechnerisch zwischen einem ungedämmten und einem gedämmten Gebäude mindestens um den Faktor 7,5 höher – und in vielen Fällen wird dieser Wert noch klar darüber liegen.

 

Quellen
- Umweltproduktdeklaration »Graues EPS«: www.ivh.de/Umwelt-Produktdeklaration-Waermestrahlungsabsorber
- Dämmpraxis, »Styropor und Umwelt«, IVH, 2009

 

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