Baufachzeitung

22.09.2017

Bauwirtschaft Baufachzeitung

WDVS: Vielfalt ist machbar!

Einsatz von WDV-Systemen Wärmedämmsysteme
Einsatz von WDV-Systemen Wärmedämmsysteme
Einsatz von WDV-Systemen Wärmedämmsysteme
Einsatz von WDV-Systemen Wärmedämmsysteme

Gleichförmigkeit durch Wärmedämmung? Leider kommt das mancherorts vor. Das aber ist kein Fehler des Systems, sondern derer, die die Dämmung einsetzen, schließlich gibt es kaum eine Einschränkung bei Farbton oder Materialität bis hin zu Klinker oder Glas. Ein Plädoyer von Armin Scharf für mehr Bewusstsein beim Einsatz von WDV-Systemen.

Neulich weilte ich ein paar Tage frohgemut in einer südlichen Region eines unserer Nachbarländer mit beeindruckenden Bergen, lauschigen Seen und auch netten Rennradstrecken. Was aber das Wetter nicht davon abhielt, ganz anders zu sein als gedacht. Aber so ist es nun mal und es blieb mehr Zeit, durch die Ortschaften zu schlendern. Eher ländlichen Orten mit Ein- oder Zweifamilienhäusern unter braven Sattel-, Walm- oder auch Flachdächern. Dazu großgestig gepflasterte Auffahrten und auf Golfplatzniveau gestriegelte Rasenflächen. Sehr aufgeräumt alles, sehr makellos und perfekt.

Gleichklang ist langweilig
Auch die Fassaden präsentierten sich fast durchweg in bester Form, mehrheitlich gedämmt und damit energetisch auf dem Stand der Zeit. Trotz dieser löblichen Aktivitäten grummelte es immer stärker, je mehr Häuser ins Blickfeld rückten. Das zunächst diffuse Gefühl verdichtete sich jedoch schnell: Den Fassaden fehlte jeglicher Charakter. Statt dem Spiel der Gliederungen dominierte Flächigkeit, statt Strukturen künstlich anmutende Glattheit, statt differenzierter Farbigkeit eine unangemessene Buntheit sowie spannungsfreie Proportionen. Auch Versuche, mit farbigen Mitteln einzelne Gebäudeteile wie Ecken oder Giebel abzusetzen, endete in nicht nachvollziehbaren, absurden Farbgebungen.

Mal was Grobes zwischendrin
Dabei kann es doch auch ganz anders gehen, bedeutet Wärmedämmung doch nicht schale Einfalt oder programmierte Phantasielosigkeit. Ganz im Gegenteil: Die dämmende Schicht eines Wärmedämm-Verbundsystems ist kompatibel mit wildesten Ideen, mit unterschiedlichsten Materialien, Strukturen und Farbigkeiten. Gerade Strukturen abseits des Standard-Kratzputzes mit feiner Körnung entfalten ein Leben auf den Fassaden, die Staunen machen. Man denke nur an den wiederauflebenden Besenstrich, an Kammzug- oder Kellenwurfstrukturen und an das Zusammenspiel glatter und rauer Partien nebeneinander. Bei all diesen Putzideen kann die Farbe das Tüpfelchen spielen: Überlasierte Spitzen oder metallische Beschichtungen sorgen für eine ganz besondere, individuelle Note – und fast unendliche Vielfalt. Dazu bedarf es gar nicht viel: Erstens Mut zum Anderen, zweitens handwerkliches Geschick und drittens Offenheit für Inspirationen. Leider hapert es meist bei letzterem, oft bei allen Beteiligten, was dann zu oben belästerter Einheitsbreiigkeit führt. Die übrigens selbstverstärkend wirkt, weil es selbst mit guten Ideen immer schwerer wird, die Uniformität zu verlassen.

Putz ist nicht alles, gewiss
Nun mag man einwenden, dass Putz nicht jedes Bauherren Sache ist. Das ist gut so, denn Holz oder Naturstein, Klinker oder energiespendende Photovoltaik sorgen für Vielfalt in Städten oder Dörfern. Die tolle Sache dabei: All das schließt die Wärmedämmung nicht aus! Klinker auf Wärmedämm-Verbundsystemen? Kein Problem! Naturstein: Machbar! Glas? Warum nicht. Übrigens schließt das eine das andere nicht aus: Mischfassaden mit Putzflächen und Klinkerbereichen harmonieren besser als man denkt. Nur Mut, möchte man immer mal wieder rufen, wenn schlichtes Weiß und feiner Putz zusammentreffen. Standard war gestern, heute darf und kann es individuell sein, denn die Möglichkeiten stehen bereit. Das zeigt schon der schnelle Blick in die Kataloge der großen WDVS-Anbieter – es kommt nur darauf an, was man daraus macht.

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