Baufachzeitung

22.09.2017

Bauwirtschaft Baufachzeitung

Schimmelbildung in Wohnräumen: Studie der Humboldt-Universität Berlin zu deutschem Lüftungsverhalten

Ein regelmäßiger Austausch verbrauchter Luft ist wichtig, um das Risiko der Schimmelbildung im Wohnraum zu reduzieren. Foto: Velux Deutschland GmbH
Lüften mindert nicht nur das Risiko der Schimmelbildung. Frische Luft mit viel Sauerstoff hilft auch dabei, sich besser zu konzentrieren. Da gehen die Hausaufgaben doch gleich viel leichter von der Hand. Foto: Velux Deutschland GmbH

Über 41 Prozent der deutschen Bevölkerung sahen sich schon einmal mit dem Problem der Schimmelbildung in der eigenen Wohnung konfrontiert. Dies ergab eine repräsentative Studie der Humboldt-Universität zu Berlin im Auftrag des Dachfensterherstellers Velux. Da regelmäßiges Lüften eine wirksame Möglichkeit ist, das Risiko der Schimmelbildung in Wohnräumen zu vermeiden, untersucht die Studie auch eingehender Lüftungsvorlieben und -verhalten der Deutschen. Dabei stellte sich heraus: Bei selbstständiger Lüftung können Empfehlungen zur Häufigkeit in erster Linie aufgrund von Abwesenheit gar nicht eingehalten werden. Zudem findet eine ausschließliche Lösung über Lüftungsanlagen kaum Akzeptanz, während die Fensterlüftung über automatische Lösungen auf großes Interesse stößt.

Die Gründe für die Schimmelbildung in Wohnräumen sieht die Mehrheit (54,8 Prozent) der insgesamt 1.019 von der Humboldt-Universität zu Berlin Anfang 2013 befragten Personen in mangelnder Lüftung. Dies ist sowohl bei Mietern als auch bei Eigentümern vor der Nennung von Baumängeln die meistgenannte Ursache.

Gründe für mangelnde Lüftung
Experten empfehlen, mindestens dreimal pro Tag in genutzten Wohnräumen zu lüften – bei Neubauten in Massivbauweise in den ersten zwei Jahren sogar bis zu fünf Mal. Die Befragung zeigt jedoch, dass zwei Drittel der Deutschen in der kalten Jahreszeit höchstens zwei Mal am Tag in Wohn- oder Schlafzimmer lüften. Was sind die Gründe dafür? Gut zwei Drittel der Befragten geben an, dass ihre Abwesenheit sie am Lüften hindert – sie also beispielweise beruflich bedingt einfach nicht zu Hause sind. Aber auch die Tatsache, dass sie bisher keine Probleme mit Schimmel hatten (45,3 Prozent), Sorgen vor Auskühlung der Wohnung (40,8 Prozent), Bequemlichkeit (31,1 Prozent) und Energie sparen (28,9 Prozent) finden sich unter den fünf häufigsten Antworten.

Mögliche Lösungen
Dem Problem der Abwesenheit und Bequemlichkeit ließe sich mit automatisierten Fenstern begegnen. So gibt es etwa von Velux elektrische oder stromkostenneutral solarbetriebene Dachfenster, die sich zu vorher festgelegten Zeitpunkten von alleine öffnen und wieder schließen. Eine weiterentwickelte Lösung öffnet und schließt Fenster autark bei Überschreiten von durch Sensoren ermittelten Luftfeuchtigkeits-Messwerten. Beides Systeme, denen die Mehrheit der Deutschen offen begegnet. So finden fast 58 Prozent die Vorstellung, dass automatische Fenster entsprechend der Lüftungswünsche der Bewohner zu bestimmten Zeiten von alleine lüften würden, eher gut oder sehr gut. Bei Fenstern, die beispielsweise über Sensoren von alleine „merken“ würden, wann die Luft in den Wohnräumen zu schlecht ist, und sich dann automatisch für eine kurze Zeit öffnen, sind es sogar zwei Drittel der Befragten.
Manuell bedienbare Fassaden- und Dachfenster lassen sich meist zu automatisierten nachrüsten. Wobei es in der Regel nicht notwendig ist, alle Fenster in Haus oder Wohnung umzurüsten, denn für einen ausreichenden Luftwechsel reichen meist einige aus, wenn sie über die Räume im Gebäude verteilt sind.

Wertschätzung für Fensterlüftung
Das Problem mangelnden Luftaustausches wird bei Neubauten häufig durch eine direkt eingebaute mechanische Lüftungsanlage gelöst. Bei stark energieeffizient ausgerichteten Hauskonzepten, etwa Passivhäusern, ist in Extremfällen sogar das Lüften über Fenster gar nicht mehr vorgesehen. Das ist jedoch eine Variante, mit der sich nur sehr wenige Deutsche anfreunden können. Knapp 65 Prozent geben an, dass es ihnen sehr wichtig ist, auch über Fenster lüften zu können. Nimmt man die Personen dazu, denen es „eher wichtig“ ist, sind es sogar 88,9 Prozent.

 

Mangelnder Luftwechsel und Schimmelbildung
Mit zunehmenden Anforderungen an den Wärmeschutz von Gebäuden hat sich in Deutschland bei Neubauten und Modernisierungen das Konzept einer luftdichten Gebäudehülle durchgesetzt. So können Wärmeverluste durch undichte Fugen oder Ritzen vermieden werden. Allerdings wird dadurch auch der Luftaustausch gestoppt, was das Risiko von Feuchteschäden in der Wohnung erhöht. Häufiges Resultat: Schimmelbildung an Wärmebrücken – Bauteile, an denen die Wärme schneller nach außen transportiert wird als an den angrenzenden – oder an schlecht belüfteten Stellen hinter Möbeln. Um die Entstehung von Schimmel zu verhindern, ist somit der regelmäßige Austausch der verbrauchten, feuchten Raumluft gegen frische, trockene Außenluft notwendig.

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