Baufachzeitung

20.08.2017

Energieautarke Systeme: Chance für Unternehmen

Am 18. Juli 2013 stellt sich das „Center for Energy Harvesting Materials and Systems" (CEHMS) gemeinsam mit der Leibniz Universität, seinem einzigen Forschungsstandort außerhalb der USA, als Forschungspartner für Unternehmen vor. Das Ziel des Verbunds ist die Erforschung energieautarker Systeme. Interessierte Unternehmen sind eingeladen, sich am 18. Juli 2013 ab 9.00 Uhr beim CEHMS Info Day im Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH), An der Universität 2, 30823 Garbsen, über konkrete Forschungsinhalte und Möglichkeiten einer Teilhabe zu informieren.

US-Wissenschaftler, aktuelle Industriepartner und die Beteiligten der Leibniz Universität werden über die Center-Aktivitäten berichten. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro inklusive Mittagessen. Der Info Day schließt sich an eine dreitägige wissenschaftliche Fachtagung über Energy Harvesting Technologien an. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.iwpma2013.uni-hannover.de

Das Thema ist sehr klein – und gleichzeitig unabsehbar groß. Wenn es etwa gelingt, die winzigen Schwingungen von Fensterscheiben als Energiequelle für Einbruchsensoren zu nutzen; wenn man es schafft, den Reifendruck eines Autos quasi in der Gummimischung selbst zu messen, von dort an den Fahrer zu senden und die Energie dafür allein aus der Wärme des Reifens zu beziehen, dann sind das zunächst Beispiele für kleine Einsätze. In der Summe der Anwendungen aber werden sie höchst relevant. „Und am Horizont", schildert Dr.-Ing. Jens Twiefel vom Institut für Dynamik und Schwingungen die Vision, „sehen wir zum Beispiel verteilte Sensornetzwerke, die die Rotorblätter von Offshore-Windparkanlagen oder andere unzugängliche, sich bewegende Strukturen überwachen können – und zwar mit Energie, die sie direkt ihrer Umgebung entnehmen."

Der Ingenieurwissenschaftler hat sich gemeinsam mit Dr.-Ing. Marc Wurz, Oberingenieur des Instituts für Mikroproduktionstechnik, erfolgreich darum bemüht, Teil des US-amerikanischen Forschungsprogramms des Center for Energy Harvesting Materials and Systems (CEHMS), auf Deutsch etwa „Zentrum für energieautarke Materialien und Systeme", zu werden. Das CEHMS ist ein Forschungsverbund der National Science Foundation, die als Pendant der Deutschen Forschungsgemeinschaft gilt. Sie setzt die Beteiligung von Unternehmen bei den Vorhaben voraus. „Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und beteiligten Universitäten wird in Deutschland ähnlich wie in den USA organisiert sein", erklärt Twiefel: „Unternehmen, die einen entsprechenden Forschungsbedarf haben, können für eine Jahresbeteiligung von umgerechnet 40.000 US-Dollar aktiv die Forschungsagenda mitgestalten. Und sie haben Zugriff auf alle entstehenden Publikationen und Patente". Die Unternehmen bekommen maßgeschneiderte, zukunftsfähige Technologien – natürlich im Rahmen der vorwettbewerblichen Gemeinschaftsforschung – und die beteiligten Institute einen eng an der Praxis und den aktuellen Fragen orientierten Forschungsauftrag. „Und mehr Wissen", wie Twiefel hinzufügt.

Zu den vier Themenschwerpunkten, die das CEHMS für Forschungsvorhaben bereits formuliert hatte - „Thermisch", „Mechanisch", „Chemisch", „Leistungselektronik & Kommunikation" – ist mit der Aufnahme der Leibniz Universität als erstem europäischen Standort die „Produktionstechnik" als fünfter Schwerpunkt hinzugekommen. „Um aus dem Labormaßstab in die reale Fertigung zu kommen – in die wirtschaftliche reale Fertigung – braucht man Produktionstechnik", begründet Wurz vom Institut für Mikroproduktionstechnik, das zum Produktionstechnischen Zentrum Hannover gehört, „da sehen wir insbesondere am PZH unsere Aufgabe."

Das CEHMS-Team der Leibniz Universität besteht insgesamt aus Mitgliedern der vier Fakultäten für Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik, Naturwissenschaft, Mathematik und Physik. Gerade mit diesem starken interdisziplinären Ansatz hat die Leibniz Universität in den USA punkten können. Die Erforschung energieautarker Systeme in diesem Verbund sei, so die Initiatoren Twiefel und Wurz, jenseits der inhaltlichen Herausforderung auch für die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Instituten und für den internationalen Studenten- und Wissenschaftleraustausch eine tolle Sache. Gemeinsam haben diese Institute bereits einen Antrag beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur eingereicht, um im kommenden Jahr mit einer Graduate School „Energy Harvesting" das Thema auch in der Lehre zu verankern.

 

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