RATL 2027 setzt Tiefbau und Recycling ins Schaufenster
Auf 90.000 Quadratmetern soll in Karlsruhe nicht nur ausgestellt, sondern gearbeitet, verglichen und vorgeführt werden. Die RecyclingAKTIV & TiefbauLIVE rückt 2027 Maschinentechnik für Bau, Abbruch und Recycling in ein Umfeld, das Investitionsentscheidungen praxisnah vorbereiten soll.
Karlsruhe bereitet die nächste Ausgabe der RecyclingAKTIV & TiefbauLIVE vom 3. bis 5. Juni 2027 bereits ein Jahr vor Messestart vor. Auf dem Peter-Gross-Bau Areal der Messe Karlsruhe haben sich nach Angaben des Veranstalters erste namhafte Aussteller Flächen gesichert. Dazu zählen JCB Deutschland GmbH, Kiesel GmbH, Wacker Neuson Vertrieb Deutschland GmbH & Co. KG, Zeppelin Baumaschinen GmbH, GIPO GISLER POWER AG aus der Schweiz sowie Komptech GmbH aus Österreich.
Markt unter Druck, aber mit Bewegung
Die Messe trifft auf Branchen, die nach der Baukrise weiterhin vorsichtig planen, zugleich aber wieder nach Orientierung suchen. Das DIW Berlin rechnet laut dem vorliegenden Bericht für 2026 erstmals wieder mit einem steigenden Bauvolumen. Für den öffentlichen Tiefbau wird für 2027 ein Plus von 7,4 Prozent genannt.
Auch der Recyclingbereich erhält politischen Rückenwind. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung und der 10-Punkte-Plan der Stiftung Deutsche Umwelthilfe für den Baubereich verweisen auf die wachsende Bedeutung von Wiederverwertung im Bauwesen. Project Managerin Laura Weber ordnet die Gespräche mit Ausstellenden so ein, dass viele Unternehmen die RATL gezielt zur Marktbearbeitung nutzen wollten, während andere wegen der wirtschaftlichen Folgen der Baukrise noch zurückhaltend agierten. Ziel sei ein Marktumfeld, in dem Technik, Austausch und Live-Demonstrationen zusammenwirken.
Für die Messe spricht dabei ihre Fachbesucherstruktur. Der Anteil der Fachbesuchenden liegt bei 95 Prozent, rund drei Viertel davon haben Investitionsbefugnis. Damit bleibt das Format nah an jenen Zielgruppen, die Maschinen, Anbaugeräte, digitale Lösungen oder Recyclingtechnik nicht nur ansehen, sondern auch bewerten und beschaffen.
Infrastruktur wird zur Prozesskette
Ein Schwerpunkt der kommenden Ausgabe ist die neu konzipierte Musterbaustelle Infrastrukturbau. Sie greift ein Thema des anstehenden Investitionsprogramms in Deutschland auf und setzt im Freigelände auf Spezialtiefbau, Kanalbau und Elektromobilität. Der Nutzen liegt weniger in der einzelnen Maschine als im Zusammenspiel der Arbeitsschritte.
Ausstellende können ihre Technik dort innerhalb einer Prozesskette zeigen. Ergänzend bleiben individuelle Vorführungen an den Ständen möglich. Genau darin liegt der Unterschied zu klassischen Messeformaten: Die RATL arbeitet mit moderierten Demonstrationen, realitätsnahen Abläufen und Vergleichbarkeit unter Einsatzbedingungen.
Nachwuchs, Digitalisierung und bewährte Formate
Die Fachkräftefrage erhält ebenfalls mehr Sichtbarkeit. Die „BAUSTELLE à ZUKUNFT“ wird im Freigelände prominenter platziert. Regionale Unternehmen und Verbände informieren dort über Ausbildung und Entwicklungsmöglichkeiten. Auszubildende stellen ihre Berufe praktisch vor.
Der Hallenbereich konzentriert sich 2027 auf digitale Lösungen. Genannt werden Telematik, Messtechnik und die digitale Organisation mobiler Arbeitseinheiten. Erstmals wird dieser Bereich durch eine neu gestaltete Start-up Area verstärkt. Junge Unternehmen treten dort in einem Forum auf, das zugleich als Bühne für ein Mineralik-Forum vorgesehen ist.
Nicht neu, aber für den Charakter der RATL wichtig, bleiben die klassischen Demonstrationsflächen. Die Anbaugeräte-Arena ist erneut Teil des Programms. Im Recyclingbereich des Freigeländes wird es außerdem eine Aktionsfläche für Holz und Biomasse geben. Anwendungen für den Garten- und Landschaftsbau erhalten ebenfalls Raum.
Beate Frères, Director Market Area II, verweist auf die Rolle starker Partner und des Messebeirats. Fachliche Tiefe, moderierte Vorführungen und ein branchenübergreifendes Konzept seien demnach nur mit entsprechender Unterstützung realisierbar. Mit Fachverbänden, Ausstellenden und praxisnahen Formaten will Karlsruhe 2027 einen Marktplatz für modernes Bauen und Kreislaufwirtschaft schaffen.

