Brutal schön – Braunschweig saniert seine Stadthalle
Die Stadthalle Braunschweig war einmal modern. Heute ist sie ein Denkmal. Gebaut 1965, geprägt vom Stil des Brutalismus: viel Beton, wenig Zier, klare Kante. Jetzt wird sie aufwendig erneuert. Außen bleibt sie, was sie war. Innen wird sie, was sie sein muss.
Seit vergangenem Jahr herrscht Baustellenbetrieb. Die Stadt will das Gebäude fit machen für morgen – nachhaltig, effizient, nutzbar. Eine Kongresshalle, die nicht nur gut aussieht, sondern auch gut funktioniert. Koordiniert wird das Ganze von der Struktur-Förderung Braunschweig GmbH, einer Tochter der Stadt. Die Leitung hat Natascha Wessling. Sie spricht von einem „3D-Puzzle“. Klingt harmlos. Ist es nicht.

Die Fassade ist der Knackpunkt. Sie besteht aus Waschbetonplatten – großformatig, maßgefertigt, prägend für das Erscheinungsbild. Der Denkmalschutz verlangt: Alles bleibt, wie es war. Nur eben neu. Anfang Mai begann die Demontage. Bis zu 20 Platten pro Tag sollen herunter. Jede einzelne wird nummeriert, sorgfältig aus den Verankerungen gehoben und zwischengelagert – direkt nebenan, unter dem Parkdeck entsteht eine Art Freiluftfabrik.

Bevor das passiert, muss Gift raus. Die alten Fugen enthalten PCB – ein Schadstoff, der heute verboten ist. Arbeiter schneiden sie heraus, von Hand, mit Schutzanzug. Schnell geht anders. Aber schneller darf es nicht gehen. Die Platten sollen heil bleiben.
Dann kommt die Reinigung. Mit Wasser. Aber dosiert. Zu viel Druck – und der Beton verliert seine Struktur. Zu wenig – und der Schmutz bleibt. Wer hier arbeitet, braucht Gefühl. Wenn eine Platte beschädigt ist, helfen Betonspezialisten. Die Firma „Betonretusche“ bessert aus. Mit Pigmenten, mit Kies, mit Erfahrung. Man arbeite wie bei Fresken, sagen sie – geduldig, schichtweise, vorsichtig.

Besonders wichtig sind die Kiesel: Hellgrau und ockerfarben, wie damals. Man hat Material gesucht, das dem „Frechener Quarz“ ähnelt – in Farbe, Form, Herkunft. Denn wer einmal genau hinschaut, merkt schnell: Diese Fassade lebt von ihren Details.

Doch der eigentliche Fortschritt geschieht dahinter. Wo jetzt nackter Beton liegt, kommt bald Dämmung rein. Die Halle war ungedämmt, energetisch ein Fossil. Das ändert sich. Technik wird eingebaut, die Ressourcen spart. Ziel ist ein Gebäude, das sich wirtschaftlich betreiben lässt – mit niedrigem Verbrauch und hoher Auslastung.
Was hier entsteht, ist ein Vorzeigeprojekt: Der Versuch, historische Substanz zu erhalten und zugleich auf die Höhe der Zeit zu bringen. Wenn alles klappt, öffnet die Stadthalle 2028 neu – brutalistisch wie eh und je. Aber viel klüger als zuvor.

